Ein neues Idol für die USA muss her

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Unter den Eindrücken der Bilder aus den Nachrichten über den Angriff auf das Capitol in Washington D.C. kann ich gerade nicht anders, als meinen Arbeitsstart heute etwas nach hinten zu verschieben und meine Gedanken aufzuschreiben.

Ich kann nicht direkt zur Normalität eines Arbeitsalltags übergehen, wenn in einem demokratischen Land, Recht und Ordnung und die grundsätzlichen Spielregeln eines zivilisierten und vernünftigen Zusammenlebens mit Füßen getreten werden. Angestiftet von einem polarisierenden und naiven Menschen, dem ich gar nicht Dummheit vorwerfen möchte, sondern vielmehr eine triviale, instinktive und animalische Lust auf Geltung, Einfluss und Macht.

Donald Trump hat es schon lange geschafft, simple und plumpe Aussagen aus seinen verschwommenen Ansichten und Weltanschauungen zu destillieren, die von vielen Menschen leicht konsumiert und akzeptiert werden können. Der nette Versuch intellektueller und gebildeter Politiker, Sachverständiger und Wissenschaftler, komplexe Zusammenhänge der realen Welt zu erklären und allen Menschen näher zu bringen, ist nicht nur gescheitert, sondern hat dazu geführt, dass solche wohlwollenden Bemühungen eher als versnobte und arrogante Inszenierungen wahrgenommen werden. Dies war und ist ein entscheidender Teil des Nährbodens für eine Spaltung der Gesellschaft, von der sich die eine Hälfte als nicht ernstgenommen, für einfach und dumm gehalten und unterbuttert hält und die andere Hälfte dies so weder anstrebt noch wahrnimmt. Eine Spaltung also, von der nur eine Hälfte überhaupt etwas weiß und die die Kriterien zur Zuordnung auf eine der beiden Hälften gar nicht kennt. Dies führt dazu, dass die vermeintlich versnobten und arroganten Gebildeten nun beginnen, die andere Hälfte tatsächlich für naiv oder schlicht dumm zu halten, was so die Spaltung weiter vorantreibt.

Donald Trump hat es verstanden, oder es wurde ihm so geraten, dies ständig auszunutzen und sich zum Sprecher dieser “Unterdrückten” gemacht. So wurde er zu deren Star, zu deren Idol. In diesem Status angekommen, begannen dann Fakten nicht mehr wichtig zu sein. Oder zumindest sehr wohlwollend und großzügig von seinen Jüngern interpretiert zu werden. Der Versuch, ein Idol mit Fakten vom Thron zu stoßen, ist nie erfolgreich. Vielmehr noch wird er immer als Diskreditierung, Image-Schädigung oder gar Rufmord interpretiert. Schlichter gesagt: Wer etwas gegen Trump sagt, ist gemein und will nur das Antlitz beschmutzen. Hört auf, Trump und dessen Anhänger mit Fakten zu überhäufen, so funktioniert es nicht, ein Idol loszuwerden.

Was allerdings hilft, ist ein neues Idol zu erschaffen. Ein Idol, das das alte Idol ablöst. Die USA braucht einen gemäßigten Politiker, der es genauso wie Trump schafft, die einfache Sprache des Volkes zu sprechen. Der die Menschen emotional und mit einfachen Mitteln dort abholt, wo sie glauben, sich zu befinden. Ich hoffe, Joe Biden schafft dies in seiner ersten Amtszeit.

Product Owner DeepHub® at Heidelberg Mobil, Scrum Master and Software Developer

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